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Über die Projekte und Tätigkeiten des Missionarsehepaars Andrea und Christian Thiele haben wir bereits auf diesen Seiten ausführlich berichtet, etwa über die Veranstaltung in Paderborn, bei der sie Ihr Kinderdorf-Projekt in Nordthailand vorgestellt haben. Nachdem sie wieder nach Thailand zurückgekehrt sind, haben die Thieles Zeit gefunden, uns ein paar Fragen ausführlich zu beantworten:
Stellen Sie sich bitte selbst einmal kurz vor. Nennen Sie uns bitte ein paar biographische Details, Ihren Hintergrund und bisherigen Aktivitäten.
Wir sind Christian und Andrea Thiele-Grahl, haben bereits einen erwachsenen Sohn in Deutschland, und leben seit April 2007 in Thailand. Wir sind beide echte Paderborner und kennen uns schon seit der Schulzeit. Wir kommen beide aus katholischen Elternhäusern. 1990 heirateten wir und lernten 1996 Christen kennen. Diese haben uns vorgelebt, was es heißt, eine persönliche Beziehung zu Gott zu haben. Im Herbst 2002 haben wir uns für ein Leben mit Jesus Christus entschieden. Direkt nach der Entscheidung – ein Leben mit Gott zu führen – kam auch der Wunsch auf, etwas für Kinder in Deutschland zu tun (Waisenhaus/Jugendfreizeitheim). Trotz vielversprechender Ansätze war es uns nicht möglich, ein Heim in Deutschland zu starten.
In uns wuchs aber immer mehr der Wunsch, bedürftigen Kindern zu helfen, ihnen von der Liebe Gottes – die wir erfahren dürfen – weiter zu geben und ihnen einen möglichst guten Start in ihr Leben zu ermöglichen. So ergab es sich, dass wir uns Ende 2005 entschieden haben, mit dem Missionswerk To-All-Nations (ehemals ICW) nach Thailand in die Mission zu gehen, um dort christliche Kinderheime/Kindertagesstätten aufzubauen. In unserem ersten Jahr in Thailand haben wir uns verschiedene Kinderheime angeschaut und auch in einigen mitgearbeitet. Gleichzeitig starteten wir mit dem Sprachstudium. Im Februar 2008 haben wir dann unser erstes Kinderheim in Mae La Noi gegründet. Während unseres ersten Reisedienstes von März – Mai 2008 hat es Gott sehr vielen Menschen aufs Herz gelegt, sich für ein Patenkind in Thailand zu entscheiden. Aufgrund dessen konnten wir kurzfristig zwei weitere Kinderheime starten. Bis heute hat uns der Herr so viel Segen geschenkt, dass wir ein viertes Kinderheim in Sobtschom und ein fünftes in Chiang Rai gegründet haben. In drei von diesen fünf Kinderheimen (Mae Ho, Sobtschom und Khun Yuam) war es uns auch möglich, neue Gebäude zu erstellen. Insgesamt konnten wir bis heute über 105 Kindern ein neues Zuhause ermöglichen.
Sie sind ja missionarisch tätig, was man auch gut Ihrer Homepage www.thaimission.de entnehmen kann. Können Sie uns etwas über Ihre Tätigkeiten und Ziele sagen, vielleicht auch etwas über Ihre Verbindungen zu dem Missionswerk To-All-Nations?
Wir sind nach Thailand gekommen um Kinder in Not zu helfen. Uns ist schon bewusst, dass es überall auf der Welt, auch in Deutschland, Not gibt. Aber unser Herz gehört den Kindern in Thailand. Wir wollen den Kindern ein liebevolles Zuhause bieten, einen Schulbesuch ermöglichen und sie ganzheitlich betreuen. Nach der Schulausbildung möchten wir ihnen, ihren Fähigkeiten entsprechend, eine Berufsausbildung ermöglichen, damit sie einen guten Start ins Leben, nach dem Aufenthalt in unseren Kinderheimen, haben. Dazu möchten wir mittelfristig noch eine Ausbildungsstätte schaffen. Zu unseren derzeitigen Kinderheimen sind weitere in Planung. Dies erfordert aber weitere personelle Hilfe aus Deutschland, zu den einheimischen Hauseltern vor Ort.
To-All-Nations ist das Missionswerk, das uns mit unserer Gemeinde aus Paderborn (Christengemeinde Paderborn-Süd) nach Thailand ausgesandt hat. Sie übernehmen alle organisatorischen Angelegenheiten wie: Verwaltung der Patenschaften für die Kinder, Betreuung und Hilfe vor und nach der Ausreise, Spendenverwaltung für unsere eingehende Unterstützung, Organisation der Reisedienste usw..
Seit 2007 sind sie damit beschäftigt, im Norden Thailands Kinderheime aufzubauen. Wie sind Sie darauf gekommen, Thailand für Ihr Projekt zu wählen? Kannten Sie das Land schon im Vorfeld, etwa durch private Reisen, oder war es tatsächlich für Sie „Neuland“?
2002 haben wir das erste Mal Urlaub in Thailand gemacht. Der Urlaub war zwar gut, aber ob wir ein zweites Mal gekommen wären, wagen wir zu bezweifeln. Thailand rückte erst in unseren Fokus, nach dem wir uns für ein Leben mit Jesus Christus entschieden hatten. Und so sind wir 2008 als Missionare nach Thailand ausgereist. Somit war Thailand schon für uns Neuland, da auch Urlaubseindrücke nicht das wahre Thailand vermitteln können.
Wo befinden sich die Heime, und wie viele Kinder leben dort? Handelt es sich um Heime für Waisen, oder sind es auch Kindertagesstätten? Wie gestaltet sich der Alltag für die Kinder dort?
Wir haben in folgenden Orten Kinderheime bzw. –internate:
Mae La Noi = 11 Kinder
Mae Ho = 22 Kinder
Khun Yuam = 28 Kinder
Sobtschom = 24 Kinder
Chiang Rai = 20 Kinder
Die Kinderheime bzw. –internate befinden sich alle im Norden Thailands. In drei Kinderheimen haben wir ausschließlich Kinder vom Bergstamm der Karen. In den restlichen Kinderheimen leben thailändische Kinder und Kinder vom Bergstamm der Monk sowie der Lahu.
Wir nehmen vorrangig Waisenkinder auf. Aber unter anderem leben in unseren Heimen viele Kinder, deren Eltern entweder geschieden sind und aufgrund einer Neuheirat ihre Kinder nicht mit in die zweite Ehe nehmen. Weiterhin leben Kinder aus sehr sozial schwachen Familien bei uns. Dabei handelt es sich meistens um Familien, die weit entfernt in Bergdörfern leben, in denen es keine Schule gibt.
Der Alltag sieht so aus, dass die Kinder morgens mit Frühstück beginnen, dann haben sie eine kurze Andacht. Danach geht es zur Schule. Die Schule in Thailand dauert bis spät in den Nachmittag hinein. Wenn sie dann nach Hause kommen, machen sie ihre Schularbeiten, haben Zeit zum Spielen. Dann gibt es Abendbrot. Danach werden sie noch zusätzlich von unseren freiwilligen Helfern (meistens junge Frauen aus Deutschland) in Englisch unterrichtet, da der Unterricht, der in der Schule gehalten wird, nicht ausreicht. Am Abend gibt es dann noch eine Andacht – die Kinder sitzen zusammen – singen, beten – und dann geht es ins Bett. In Thailand geht man sehr früh ins Bett, da die Tage auch sehr früh beginnen.
Von Paderborn nach Thailand – ein ganz schön weiter Weg! Wie hat sich der Umzug gestaltet, wie lange haben die Vorbereitungen gedauert, und welche Hindernisse gab es dabei zu überwinden? Haben Sie auch die Möglichkeit gehabt, vorab schon mal die Sprache zu lernen?
Zuerst einmal zu der Vorbereitungszeit: Von dem Gedanken, in die Mission zu gehen, bis zur Ausreise, vergingen ca. 18 Monate. In dieser Zeit haben wir viele Gespräche geführt, Vorträge; Veranstaltungen, und Seminare besucht, Behördengänge erledigt und vieles mit der Ausreise verbundene organisiert. Das meiste, was wir an Mobiliar hatten, haben wir verkauft und dann den Rest in einen 20-Fuß-Container verpackt. Hindernisse gab es eigentlich kaum und wenn, konnten diese sehr schnell beiseite geräumt werden. Dankbar sind wir allen die uns in dieser Zeit mit Rat und Tat zur Seite standen!
Die Sprache konnten wir leider vorher nicht lernen oder mit dem Lernen beginnen, da wir Suchada zu dem Zeitpunkt noch nicht kannten.
Wie baut man eigentlich ein Kinderdorf, wurden schon vor Ihrer Ankunft genaue Planungen und Arbeiten ausgeführt, oder sind Sie vor Ort praktisch bei Null angefangen?
Wir sind bei Null angefangen. Haben Orte besucht, in denen es noch keine christlichen Kinderheime gab. Haben dann geschaut, ob es eine Christengemeinde vor Ort gibt, die die Not der Kinder auch sieht und bereit ist, mit uns gemeinsam etwas aufzuziehen. Nach diversen Gespräch entschieden wir uns für bestimmte Orte und gingen nach Deutschland, um dort diese Arbeit vorzustellen, um dadurch Patenschaften für die Kinder zu erhalten. Wir sind dankbar, dass wir schnell viele Pateneltern gefunden haben und konnten so mit den ersten drei Kinderheimen starten. Es ging los mit der einfachen und schnellen Thaibauweise aus Bambus, Holz und Blätterdach. Später konnten wir dann aufgrund großzügiger Spenden bereits in drei Orten richtige Gebäude für die Kinder erstellen und Grundstücke kaufen.
Wie ist die Akzeptanz Ihrer Arbeit bei der thailändischen Bevölkerung? Ergeben sich Spannungen aus der Tatsache, dass Sie mit Ihrem Hintergrund als Missionare in einem buddhistisch geprägten Land Tätig sind?
Überhaupt nicht. Wir werden überall herzlich aufgenommen und Leute, die von unserer Arbeit erfahren, freuen sich sehr, dass wir Kindern helfen können, unabhängig von unserem und ihrem Glauben.
Obwohl Ihr Lebensmittelpunkt nun in Thailand liegt, kommen Sie gelegentlich in Ihre Heimatstadt Paderborn zurück. Hat sich durch Ihren Aufenthalt in Thailand auch Ihr Blick auf Paderborn, oder auch Deutschland im Allgemeinen verändert?
Wir freuen uns immer riesig, wenn wir mal in unserer Heimat sein dürfen, da ja auch unser Sohn und unsere Familien in Paderborn leben. Zurzeit sehen wir aber Thailand als unser Zuhause an und fühlen uns sehr wohl. Dadurch, dass man in zwei Welten lebt, fängt man schon an zu vergleichen und erkennt, dass das Leben in Thailand im Vergleich zu Deutschland schon extrem unterschiedlich sind. Aber wir können uns immer sehr schnell zurecht finden, egal wo wir sind.
Möchten Sie uns noch etwas mitteilen, haben Sie noch eine Botschaft an die Leser?
Wir sind von Herzen dankbar, da wir überall in Deutschland, wo wir von unserer Arbeit berichten, auf offene und interessierte Menschen treffen, die ein weites Herz haben und bereit sind, von dem, was sie wirklich im Gegensatz zu Thailand im Überfluss haben, zu geben. Aber auch Menschen in Deutschland, denen es nicht so gut geht, helfen trotzdem, damit wir Kindern in Not in Thailand helfen können.
Wir sind dankbar für jede einzelne Spende und für jede einzelne Patenschaft – jede Patenschaft verändert ein Leben eines Kindes!!!
Die Not der Welt kann niemand von uns allein lösen.
Wir können nicht alles tun, aber das sollte uns nicht dazu bringen, nichts zu tun.
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