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Ein Austauschjahr in Thailand - Marie Bartels
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Marie Bartels im Kreis ihrer Familie

Auslandserfahrung sammeln, Kenntnisse in Fremdsprachen erweitern, andere Kulturkreise kennen lernen – es gibt vielfältige Gründe für Schüler, für einen begrenzten Zeitraum in einem anderen Land zu leben und an einer dortigen Schule zu lernen. Dabei zieht es die meisten Schüler in Länder, deren Sprache sie bereits zu hause in der Schule lernen; die USA, Frankreich oder Großbritannien stehen auf der Liste der beliebtesten Austauschländer ganz oben. Nur selten kommt es vor, dass Schüler den Sprung ins kalte Wasser wagen, und ohne große Vorkenntnisse der Landessprache an einem Schüleraustausch teilnehmen.

Genau dieses nun aber hat die 16jährige Marie Bartels vor. Sie besucht momentan die zehnte Klasse des Gymnasium Theodorianum in Paderborn, und plant, ab dem Sommer für ein Jahr in einer Gastfamilie in Thailand zu leben, und dort auch die Schule zu besuchen. Dies hat uns dazu veranlasst, uns mit Marie über Ihre Motivation zu dem Austausch, ihre Pläne, und ihre Vorstellung über ihr Gastland unterhalten.

 

Eigentlich, so sagt sie, ist sie selbst ein wenig davon überrascht worden, dass sie nun bald ihren Lebensmittelpunkt nach Thailand verlegen wird, hatte sie doch eigentlich mit einem anderen Land gerechnet. Marie hat sich für ihr Auslandsjahr bei der Organisation Youth For Understanding (YFU) beworben, einer internationalen agierenden Organisation, die bereits seit Jahrzehnten Jugendaustauschprogramme durchführt und auch Stipendien hierfür organisiert. Bei der Bewerbung bei YFU musste sie mehrere mögliche Zielländer angeben, wobei ihre Präferenz bei einem Land des afrikanischen Kontinents lag. Aber da sie auch allgemein an der asiatischen Kultur interessiert ist, weshalb sie sich auch schon bei einer anderen Organisation um einen Austausch mit Japan beworben hatte, kommt ihr Thailand als Gastland alles andere als ungelegen. Da sie bislang noch nie in dort gewesen ist, hat sie noch kein fest gefügtes Bild vom 'Land des Lächelns', ist aber auf jeden Fall schon gespannt darauf, gerade die kulturellen Unterschiede zu ergründen, und neue Kontakte zu knüpfen.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die näheren Details ihres Aufenthaltes allerdings noch nicht geklärt. Die Gastfamilie, bei der sie leben wird, soll in oder nahe bei Bangkok wohnen. Bei ihr wird Marie das ganze Jahr ununterbrochen leben; eine Heimreise, um Weihnachten zu hause bei der Familie zu verbringen, ist dabei allerdings nicht vorgesehen. Gerade diese Regel des Austauschprogramms bedeutet für einen Schüler in diesem Alter eine gewaltige Umstellung und Herausforderung, ist aber dazu gedacht, die Bindung an die Gastfamilie zu verstärken. Unterstützung wird Marie dabei besonders von ihrer Gastschwester erhalten, mit der sie gerade zum ersten mal per Email Kontakt aufgenommen hat. Diese ist gerade mal ein Jahr älter, so dass sie aufgrund des geringen Altersunterschiedes eine gute Ansprechpartnerin sein kann.

Die lange Trennung ist neben der weiten Entfernung mit einer der Gründe, warum Maries Eltern den Austausch mit leicht gemischten Gefühlen betrachten. Natürlich machen sie sich auch Gedanken, in was für eine Gastfamilie ihre Tochter vermittelt wird. Und auch die wieder aufgeflammten Proteste in der Hauptstadt, über die gegenwärtig in den Medien berichtet wird, tragen nicht unbedingt zu ihrer Beruhigung bei. Trotzdem überwiegen aber auch bei den Eltern die positiven Erwartungen, und sie sehen den Austausch als Gelegenheit, die man sich als junger Mensch nicht entgehen lassen sollte. Schließlich stellt er eine Erfahrung dar, an der man als junger Mensch wachsen kann, und lernt, selbständig zu werden.

Und während für Marie der Schulalltag hier in Paderborn weiter läuft, versucht sie, sich bestmöglich auf den Aufenthalt in Thailand vorzubereiten. Die YFU organisiert hierfür Treffen und Informationsveranstaltungen, führt aber ebenso auch Impfberatungen durch. Ein wesentlicher Punkt ist für Marie jedoch ganz klar die Sprache, über die sie bislang keine Vorkenntnisse hat. Daher hat sie auch den Thaikurs an der VHS Paderborn belegt, und versucht noch nebenbei, sich in das thailändische Schriftsystem einzuarbeiten. Bis zum Sommer hat sie sich damit ein anspruchsvolles Ziel gesetzt, schließlich soll sie sich nicht nur in einer Gastfamilie in einem fremden Land zurechtfinden, sondern in Thailand auch zur Schule gehen. Gerade den Schulalltag dort stellt sie sich anders als hier in Deutschland vor. Die Unterschiede beginnen schon beim gemeinsamen Singen der Nationalhymne, und enden bei weitem nicht beim Tragen der obligatorischen Schuluniform. Der Schultag ist auch in der Regel länger als in Deutschland, und erstreckt sich auch durch das Besuchen von Lern- und Nachhilfegruppen bis in den frühen Abend hinein.

Doch Marie hofft, nicht nur durch den Besuch einer thailändischen Schule ihr Wissen und ihre Kenntnisse im Thailändischen zu verbessern. Schließlich, so fasst sie ihre Erwartungen zusammen, möchte sie auch eine ihr bislang fremde Kultur kennen lernen, und sich vielleicht sogar aneignen; auf jeden Fall freut sie sich darauf, neue Eindrücke zu gewinnen, und Freundschaften zu schließen.